Geschichte des Bismarckviertels

1800 - 1945

1820

Die Familie von Beckerath errichtet, um ausreichenden Wohnraum und Erbklärungen zu ermöglichen, das – heute noch bestehende – Hohe Haus.

1875

Hatte der hohe Wasserverbrauch der Färbereien schon eine Absenkung des Grundwasser bewirkt, so verstärkte der unter der Uerdinger Straße Richtung Rhein geführte erste Abwasserkanal der Stadt massiv die Grundwasserabsenkung . Und – der Kanal tritt nachhaltig der dramatischen Geruchsbelästigung durch die Färbereiwässer entgegen. Die Bebauung der Stadt kann in die Niederterrasse, den ehemals sumpfigen Bruch im Osten der Stadt vordringen. Die Grundstückspreise steigen auf das Zehnfache.

1879 bis 1884

Auf der Basis des 1875 beschlossenen Fluchtliniengesetzes wird die erste Stadterweiterung im Osten der Stadt festgestellt. Betroffen ist das Gebiet zwischen Uerdinger, Lessing-, Blumental- und Inrather Straße.

1891

Der 16. Juli ist der Tag, an dem Bismarckplatz, Bismarckstraße und Hohenzollernstraße ihren Namen erhalten.

Max Heydweiller, Geschäftsführer des Jentges’schen Grundbesitzes und Parkliebhaber, lässt auf eigene Kosten Straßenzug und Grünanlagen der Hohenzollernstraße anlegen, initiiert die Anlage auch von Bismarckstraße und Bismarckplatz.

Auf dem Bismarckplatz wird im Mai das von Georg Frenzen entworfene Landratsamt /Ständehaus als erstes Gebäude fertiggestellt. Wenig später wird auch das erste Wohnhaus, das des Bauunternehmers Heinrich Bruns (Nr.45) bezogen. Bald werden zehn weitere Häuser im Stil des Historismus errichtet.

Es erfolgt die Anlage des großzügig dimensionierten Bismarckviertels, das sich vom Bismarckplatz bis zum Stadtwald hin entfaltet. Vor allem das Großbürgertum lässt sich in den repräsentativ gehaltenen Wohnhäusern und Villen nieder.

1895

Am 31. März – zu Bismarcks 80. Geburtstag - wird das von Gustav Eberlein gestaltete Bismarckdenkmal eingeweiht.

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1900

Am 29. November wird die Strecke Ostwall – Cracauer Straße bis Bismarckplatz der neuen elektrischen Straßenbahn eröffnet.

Auf dem Bismarckplatz setzt eine zweite Bebauungsphase ein. Jugendstil dominiert. Als Architekt tritt vor allem Karl Buschhüter hervor.

1902

Raimund von Beckerath gibt die Seidenfärberei „Gebrüder von Beckerath“ (Cracau) auf. Die Familie wohnt weiterhin im Schloss. Die Gebäude der Färberei werden in der Folgezeit von diversen Handwerks- und Fabrikationsbetrieben genutzt.

1903

Die Straßenbahnstrecke wird am 31. Juli vom Bismarckplatz über die Hohenzollerstraße zum Stadtwald verlängert.

1905

Mit dem Bau der Fabrik Flaskamp an der neuen Von-Beckerath-Straße beginnt die Umsetzung der neuen Bauplanung und die bauliche Einkreisung von Schloss Cracau.

Das Haus der Samtfabrik selbst wird 1906 fertiggestellt; es ist ein verputzter Eisenbetonbau; die Fassade mit ihren Putzmasken und floralen Dekorationen ist dem Jugendstil verpflichtet. Das Gebäude gilt noch Jahrzehnte später als beispielhaft gelungen.

1915

Das nach Plänen August Biebrichers errichtete Realgymnasium am Moltkeplatz wird in Betrieb genommen. Der imposante, bedeutendste Bau des Architekten wird zu den „qualitativ anspruchsvollsten und gelungensten öffentlichen Bauten in Krefeld“ gezählt.

1921

Die Crefelder Straßenbahn errichtet auf der Wiedstraße eine neue Wagenhalle.

1924

Für die Offiziersfamilien der belgischen Besatzung werden – vom Reichsvermögensamt - Am Hohen Haus insgesamt acht Wohnhäuser in Zeilen errichtet: zweigeschossige Backsteinbauten mit Mansarddächern und repräsentativen Eingängen.(„Reichsbauten für die fremdländische Besatzung“) Die vier Häuser der westlichen Straßenzeile baut August Biebricher, die der östlichen Peter Frank.

1924/25

An der Friedrich-Ebert-Straße 42 (der damaligen Bockumer Allee) lässt der Seidenwarenhändler Richard Merländer sich nach Plänen Friedrich Kühnens eine Villa errichten. Der Maler Heinrich Campendonk führt für das Haus mehrere Arbeiten aus.

1928

Die Jentges’sche Grundbesitz GmbH legt einen genehmigten, von ihr ausgearbeiteten Bebauungsplan für ein neues Gartenstadtviertel vor.
Das Gebiet zwischen Hohenzollernstraße und Kaiserpark wird mit großzügigen Straßen- und Platzanlagen überplant.Vorgesehen ist überwiegend exklusive Wohn- und Villenbebauung. Die Realisierung des Projektes und die nahezu vollständige Bebauung des Gebietes zieht sich bis in die 60er Jahre hin. (Schwanke)

1930

Die Straßenbahnstrecke Viktoriastraße von der Uerdinger Straße bis Bismarckplatz wird neu eingerichtet. Die Strecke Cracauer Straße (Bismarckplatz) – Kronprinzenstraße wird stillgelegt.

1938

In den Tagen des Novemberpogroms werden Wohnungen jüdischer Mitbürger auch im Bismarckviertel demoliert und geplündert; die Bewohner gedemütigt und geschlagen. Karl Merländer, der Bruder Richard Merländers, stirbt wenige Monate später an seinen Verletzungen.

1940

Zur Gewinnung von Kriegsmaterial werden die Bronze-Denkmäler der Stadt – darunter das Bismarcks - abgeräumt und eingeschmolzen.

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1943 bis 1945

Das Viertel erleidet durch die Angriffe der alliierten Luftverbände schwerste Zerstörungen.

Auch Schloss Cracau wird in der Bombennacht vom 22. zum 23. Juni 1943 getroffen und brennt aus. Das Schloss wird 1945 erneut von Bomben getroffen und dem Boden gleich gemacht.

Ebenfalls schwer beschädigt wird 1943 die Straßenbahnstrecke Viktoriastraße – Bismarckplatz – Stadtwald; sie wird erst nach Kriegsende am 15. August 1945 wieder in Betrieb genommen.